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Geschichten aus dem Untergrund
Apr
01.
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Wie alles begann…

Letztes Jahr zum Geburtstag habe ich einen Gutschein für einen Online-Kurs für die Sportbootführerscheine See und Binnen geschenkt bekommen.

„Du wolltest doch immer mal was neues lernen…“ Na klar… Aber wozu brauche ich einen Sportbootführerschein? Ok, wir wohnen hier in der Stadt mit dem meisten Wasser (gleich nach Venedig und Amsterdam), aber wir haben doch gar kein Boot? Und brauchen auch kein Boot, oder? Nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe, fand ich die Idee garnicht mal so schlecht. „Ein Boot wäre schon irgendwie cool, oder?“. Also hab ich angefangen, mich mit der Thematik zu beschäftigen. Hab mir ein paar Bücher besorgt und mich erstmal schlau gemacht, worum’s überhaupt dabei geht.

Online lernen

Ein Lehrbuch, das ich sehr empfehlen kann, ist  Sportbootführerschein See von Rolf Dreyer. Dieses Buch gehört sicherlich zu den Standardwerken und enthält neben dem Wissen, das man zur Prüfung braucht, auch eine Menge zusätzlicher Informationen. Von diesen war ich allerdings erstmal sehr erschlagen.

 

Rolf Dreyer ist auch der Betreiber der Website

www.sportbootfuehrerschein.de

Hier befindet sich der Online-Kurs, der mich ab jetzt für die nächsten drei Monate fesseln soll. Alle Themen, die man für die Prüfungen beherrschen muss, sind sehr gut und verständlich erklärt und illustriert. Anders als ein „echter“ Fahrlehrer hat Rolf Dreyer kein Problem damit, etwas auch noch zum dritten mal zu erläutern, bis man es endlich verstanden hat :-) Sehr hilfreich ist das Prüfungstraining und die Probeprüfungen. Auf alle Prüfungsfragen werden verkürzte und auf’s wesentliche beschränkte Antworten vorgegeben. Die amtlichen Antworten kann sich sowieso niemand merken und das ist auch nicht nötig.

 

Intensivkurs

Zufällig bin ich dann bei Groupon auf eine Aktion der Fahrschule Nils Herforth (www.nh-maritim.de) aufmerksam geworden, die einen Intensivkurs für die Sportbootführerscheine See und Binnen anbietet. Ich musste mir sowieso eine Fahrschule suchen, bei der ich Fahrstunden nehmen und vorallem, auf deren Boot ich dann an der praktischen Prüfung teilnehmen kann.

 

 

Nach kurzer Überlegung hab ich mich angemeldet und auch gleich einen Termin vereinbart. Mal wieder die Schulbank drücken und ein ganzes Wochenende nichts anderes tun, als Theorie, Knoten, Grundlagen, Navigation und und und zu lernen. Daneben auch Gleichgesinnte treffen, die sich – aus welchem Grund auch immer – ebenfalls überlegt haben, dass es nicht schlecht wäre, die Gegend vom Wasser aus zu erkunden. Die meisten von den Teilnehmern hatten von der ganzen Materie ungefähr genauso viel Ahnung, wie ich (von ein paar Alleswissern mal abgesehen). Fahrinne? Fahrwasser? Betonnung? Ähm… weiss nicht. Steuerbord kenn ich! Das ist rechts… oder links..? Das Steuer ist doch immer links.

 

Zuerst hab‘ ich ja gedacht, dass ein SBF was ziemlich exotisches ist, aber ziemlich schnell musste ich feststellen, dass fast jeder, dem ich das erzählt habe, entweder auch einen SBF hat oder grade dabei ist, einen zu machen :) Nagut, Hamburg ist die Stadt in Europa mit den meisten Brücken (ja, noch vor Venedig und auch vor Amsterdam). Darunter meist Wasser, aber das habe ich glaube ich schon erwähnt. Liegt also nahe, das viele Wasser auch nutzen zu können.

 

Weiter lernen

So hab ich die Zeit, die mir am Wochenende geblieben ist, also mit dem Lernen von Prüfungsfragen verbracht. Inzwischen weiss ich, wie man sich beim Befahren von Naturschutzgebieten verhält und was man zum Schutz der Gewässer zutun hat. Wie schnell man in Gebieten, wo Badebetrieb ist, fahren darf, wie Gefahrenstellen gekennzeichnet sind und wie ich nach den unterschiedlichen Feuern (Leitfeuer, Richtfeuer, Quermarkenfeuer) navigieren kann. Die Richtfeuer sind mir auf der Fahrt mit der AIDAblu nachts über die Elbe richtung Nordsee schon aufgefallen, nur was das für Lichter waren… keine Ahnung.

 

Ähnliche Fragen, andere Antworten für den SBF Binnen

Ziemlich schnell war ich mit dem Stoff, den ich für die SBF-See brauche, durch und es sind noch mehr als 4 Wochen bis zur Prüfung. Also besser schon mal die Fragen für den SBF-Binnen angucken, sonst wird’s später eng. Ein paar Antworten wusste ich bereits vom Intensivwochenende. Aber ich war dann doch sehr erstaunt, wie sich die Antworten auf vermeindlich gleiche Fragen doch zwischen den beiden Führerscheinen unterscheiden. Es wird also doch aufwändiger werden.

 

Unterwegs üben

Inzwischen kam mir die Idee, noch mehr freie Zeit zum Üben zu nutzen, z.B. die Fahrtzeit morgens mit Bus und S-Bahn zur Arbeit. Der Online-Kurs nützt mir hier nichts und so bin ich auf der Suche nach einer Offline-Alternativen auf folgende Seiten / Apps gekommen:

 

Tim Köster bietet auf seiner Homepage www.tim-koester.de kostenlose SBF-Trainer für See und Binnen an. Beide Trainer können im Download-Bereich heruntergeladen und offline genutzt werden. Sie funktionieren auch bestens auf meinem Android-Tablet (Moto XOOM) mit dem Mozilla Browser. Und so konnte ich die sonst so sinnlose Zeit (ich bin morgens noch nicht so sehr gesprächig) zum Üben nutzen.

 

Eine weitere, ebenfalls kostenlose App für das iPhone ist der wirklich nützliche SBF-Trainer von Andre Scherl. Damit konnte ich auch mal eben nebenbei das eine oder andere Themengebiet erlernen oder das Wissen verfestigen.

 

Was passiert wohl in der praktischen Prüfung?

Der Termin für die SBF-See Prüfung rückt immer näher und näher, so langsam wird’s Zeit, auch mal Termine für Fahrstunden zu vereinbaren. Da ich mir den Tag vor der Prüfung freigenommen habe, konnte ich diesen und das Wochenende davor prima für die Fahrstunden nutzen. Vorher habe ich mich auf Youtube (z.B. hier )  und mit ein paar Simulatoren schonmal seelisch vorbereitet und wusste ungefähr, worauf es ankommt.

 

Ein ziemlich realitätsnaher Simulator (wie ich finde) ist der Seamulator. Hiermit konnte ich mir erstmals die Tonnen von Gefahrenstellen aus der Nähe anschauen und die ersten Anlegemanöver üben. Ein Ersatz für eine echte Bootsfahrt ist das natürlich nicht, aber man bekommt schon mal einen Eindruck von der Physik eines Motorboots.

 

Endlich Boot fahren

In der ersten (halben) Stunde, die im Preis des Intensivkurses enthalten war, habe ich das Ablegen, Anlegen und fahren nach Kompaß gelernt. Ganz so leicht wie beim Simulator ist das zwar nicht, aber es ist zu schaffen und macht einen Höllenspass :-) Da der Fahrschüler, der direkt nach mir fahren sollte, nicht erschien, haben wir uns noch ein halbes Stündchen mit Karl Heinz, dem Fahrlehrer, unterhalten. Eigentlich hätte ich die Zeit besser auf dem Wasser verbringen können, aber egal. Für den Freitag vor der Prüfung habe ich noch schnell eine ganze Stunde vereinbaren können, da ich bisher noch kein Mann-über-Bord-Manöver gefahren bin und wusste, dass das in der Prüfung dran kommen wird.

 

Am Freitag vor der Prüfung war das Wetter schon wesentlich schlechter, als am Wochenende davor. Aber Bootfahren bei Wind und Wetter macht viel mehr Spass. Die Stunde ging viel zu schnell rum, Ablegen, Kurs, Anlegen, Ablegen, Kurs, Anlegen. Dann Mann-über-Bord Manöver, noch mal und noch mal. Geht doch. Wieder Anlegen. Stunde rum. Das muss zur Prüfung reichen. Ich hab ja noch etwas Zeit, mir die ganzen Manöver etwas einzuprägen.

 

Prüfung

Um 9:00 sollte es los gehen, aber ich bin lieber etwas früher da. Beim Check-In werden Karteikarten für die Ergebnisse der praktischen Prüfung ausgegeben. „Merken Sie sich die Nummer und schreiben Sie sie auf Ihren Prüfungsbogen“ Nummer 13, das kann nur gut sein. Inzwischen habe ich noch ein paar Bekannte aus dem Intensivkurs wiedergetroffen, die sich ebenfalls für heute angemeldet haben. Prima!!! Wir sollten zuerst fahren und dann schreiben. Nagut, andersrum wäre mir lieber gewesen, aber was solls. Also los, zum Anleger. Hier standen allerdings schon einige Leute und warteten. Pro Durchgang sind immer 5 Leute im Boot. Bei 5 Minuten pro Prüfung, an- und abfahrt also jeweils ’ne halbe Stunde. Das kann dauern. Das Wetter war auch nicht unbedingt das beste. Inzwischen hat’s angefangen zu regnen.

 

 

 

Irgendwann hiess es dann, wer bis viertel nach 10 noch nicht gefahren ist, soll doch erst die Theorieprüfung machen. Wir sind also wieder rein gegangen, haben uns einen Platz gesucht und die Stifte und Navigationshilfsmittel ausgepackt. Der Raum war dann allerdings so voll, dass ein Teil von uns in einen anderen Raum umziehen musste. Sowas nervt schon etwas. Um viertel vor 11 war’s dann endlich soweit. Jeder hatte einen Platz, es waren genügen Prüfungsbögen da, los gehts. Ich hatte den Bogen 8 und war nach ungefähr ’ner halben Stunde mit allen Fragen und der Navigationsaufgabe durch. Für mich sah das alles ziemlich richtig aus, also abgeben und hoffen, dass der Prüfer derselben Meinung ist :-)

 

Wir haben uns dann alle wiedergetroffen und sind gemeinsam nach draussen zum Anleger gegangen, in der Hoffnung, dass wir nun bald auch fahren können. Aber hier standen immer noch viele Leute, die uns natürlich auch nicht vorgelassen haben. Das Wetter wurde noch schlechter, es fing abwechselnd an zu schneien, zu regnen und zu graupeln. Zwischendurch mal etwas Sonne. Reingehen erschien uns keine gute Idee, weil wir dadurch ja unseren Platz auf dem Steg aufgeben. Naja, aber was solls.

 

Letztendlich waren wir dann die vorletzte Gruppe. Wir sind zu siebt auf’s Boot, der erste ist schonmal losgefahren, die anderen haben hinten ihre Knoten vorgeführt. Alles sehr easy. Ablegen, Kurs 270°, Mann-über-Bord, Anlegen, bestanden. Der nächste. Ablegen, Kurs 270°, Mann-über-Bord, Anlegen, bestanden und so weiter. Dann wurde es wieder windiger. Die Mittschülerin, die direkt vor mir fahre sollte, hat leider etwas pech. Beim zweiten Versuch für das Mann-über-Bord-Manöver ist die Boje inzwischen so weit abgetrieben, dass sie nicht mehr zu erreichen war. Mist :-( Das hat mich jetzt nicht wirklich aufgebaut und obwohl ich eigentlich bisher ziemlich ruhig geblieben war, wurde mir doch etwas mulmig.

 

Jetzt geht’s los. Ablegen, Ruder nach Steuerbord, Vorwärtsgang, Leerlauf. Umgucken, Rückwärtsgang, Stop. Vorwärts und drehen. „Kurs West, 270°“ Kursänderung. „Kurs West liegt an“. Weiter. „Boje über Bord an Backbord“. Leerlauf, Ruder nach Backbord, Schleife drehen. Auf die Boje zufahren, Gang raus, Ruder nach Steuerbord, Boje beobachten, Rückwärtsgang und Aufstoppen. Die Boje ist wieder an Bord – puh. „So, wieder anlegen“. Schleife drehen, oha… zu eng… egal, jetzt durch. Spitzer Winkel zum Anleger, 2 Bootslängen vorher den Gang raus, eine Bootslänge vorher Ruder nach Backbord, Parallel zum Anleger, Rückwärtsgang, Stop!! Das war’s. Geschafft.

 

Als dann alle anderen auch fertig waren sind wir wieder zurück zum Prüfungsraum, um auf die Ergebnisse zu warten. Dann endlich kam einer der Prüfer mit meinem Führerschein nach drausen. BESTANDEN!!! YESSS!!!!!

 

 

Das Lernen hat sich gelohnt. Ich muss auch zugeben, dass ich selten so viel für eine Prüfung gelernt habe, wie für diese. In fast jeder freien Minute habe ich vor den Prüfungsfragen gesessen, ob zuhause, im Bus, in der S-Bahn.

 

Aber das Lernen geht noch weiter. In 3 Wochen ist die nächste Prüfung und es liegen noch 400 Fragen vor mir :-)

SBF Binnen

Am Donnerstag vor Ostern flatterte eine Einladung zur SBF Binnenprüfung in unseren Briefkasten. Datum: 14.4.2012, 15:00uhr. Hmm, kam mir etwas seltsam vor, eigentlich hatte ich mich für den 21.4. angemeldet und der das Wochenende ist verplant. Aber gut, je eher, desto besser. Dann hab ich’s hinter mir. Ostern hab ich Zeit zum Lernen, ein paar Tage noch um die Antworten auf Fragen, die ich mir nicht partout nicht merken kann, zu büffeln und gut. Also alle Termine verschoben, Proben abgesagt (mal wieder :-( ), Ostern fast nix getan, ausser Fragebögen zu pauken.

 

Heute hab ich dann nix weiter getan, ausser rumzusitzen und zu warten, dass es 13:30 ist und ich losfahren kann. Hab mich mit OSM beschäftigt, Facebook, Spiegel, Focus usw rauf und runter gelesen. Noch ’nen Fragebogen… nagut, einer geht noch.

 

13:00 – so, jetzt mal los. Gemütlich ins Auto gesetzt und nach Hammerbrook fahren und da mal abwarten, was so passiert. Is ja noch Zeit. Dann ging’s los zum Check-In für die SBF-Binnen Prüfung. 13:45? Das ist zu früh… na egal. Ich meinen Führerschein, Perso und SBF See auf den Tisch gelegt, worauf der Prüfer vom PA Hamburg nur meinte „Ich stehe nicht auf der Liste und er dürfe mich nicht prüfen“. HALLO? Ich habe hier eine Einladung…? „Nö, weiss ich auch nicht. Rufen Sie Montag mal dort an “ – er drückt mir eine Karte in die Hand – “ und fragen Sie, was da schief gelaufen ist. Schönen Tag noch.“

 

Prima. Das Wochenende ist versaut. Bin gespannt, was da schief gelaufen ist und wann ich denn jetzt an der Prüfung teilnehmen kann.

 

ICH BIN SAUER!!! (hab ich schon erwähnt, oder?)

 

Inzwischen hat sich dann rausgestellt, dass meine Fahrschule mich wohl von der Prüfung abgemeldet hat, warum auch immer. Ich hoffe, dass ich an der Prüfung am 28.4.2012 teilnehmen kann, das müsste der letzte Termin für die Prüfung nach alter Prüfungsordnung sein (Fragen in Schriftform beantworten, kein Multiple Choice). Bis heute (22.4.) hab ich aber keine Einladung bekommen.

Jetzt aber…

Donnerstag, 26.4., immer noch keine Einladung zur Prüfung. Also nochmal versuchen, den Prüfungsausschuss zu erreichen. Geschäftszeiten MO-DO, 9:00-12:00. Das ist nicht viel Zeit und ich fürchte hunderte andere wollen ihre Anligen und Fragen auch loswerden. Dann endlich habe ich eine nette Dame am Telefon. „Ja, Sie sind verbindlich zum 28.4. angemeldet.“ Ok, dann läuft ja diesmal alles gut… hoffentlich.

 

Freitag Abend und Samstag hab ich nochmal Prüfungsbögen ausgefüllt, einige Antworten kann ich mir auch nach Wochen nicht merken, aber es wird schon reichen. Bis Bogen 12 bin ich gekommen, 13 noch überflogen, jetzt erstmal in die Stadt fahren, ’nen Koffer kaufen, hab eh keine Lust mehr zu lernen.

 

Um 13:00 stehe ich dann beim Check-In. Nächste Prüfung 13:30, Check-in 5 Minuten vorher. Diesmal stehe ich auch tatsächlich auf der Liste. YESSSS!!!! Um 14:00 geht’s dann los. Bogen 14 *GNAAAAAA*. Na egal, wird schon werden. Ein guter Tipp, den Dirk, unser Bassmann, mir gab: „Schreib einfach alles hin, was Dir einfällt. Die suchen sich dann schon das richtige raus“. Das hab ich gemacht, zum Teil reichte der Platz für die Antworten garnicht aus :-) Nach 30 Minuten war ich fertig, abgeben, warten.

 

Ein paar Minuten später kam einer der Prüfer raus. BESTANDEN!!!!!! YEAAAH!!!

Das Wochenende war also gerettet. Am liebsten hätte ich jetzt gleich ’ne Bootstour gemacht, bei dem Wetter :-) Aber wir wollen heute Aufnahmen für ’ne CD machen, also fahre ich in den Proberaum, ziehe neue Saiten auf und warte auf die anderen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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